Ratgeber · Ferienhaus
Ferienhaus in Frankreich: Welche Region passt zu dir?
Frankreich ist für ein Ferienhaus fast zu groß. Zwischen einem Fischerhaus in der Bretagne und einer Villa über Nizza liegen tausend Kilometer, ein anderes Klima und ein Vielfaches im Preis. Die Region entscheidet, wie oft du hinfährst, was du für dein Geld bekommst und ob sich eine Vermietung lohnt. Dieser Überblick hilft dir, die Auswahl einzugrenzen.
Drei Fragen vor der Regionswahl
- Wie kommst du hin? Mit dem Auto aus dem Rheinland bist du in wenigen Stunden in der Normandie oder im Elsass. In die Provence fährst du einen langen Tag. Für Wochenenden zählt jede Stunde.
- Wann willst du dort sein? Am Mittelmeer ist es von Frühjahr bis Herbst angenehm. An der Atlantikküste und im Norden ist der Sommer mild, der Winter feucht. Viele Küstenorte sind außerhalb der Saison fast leer.
- Willst du vermieten? Dann zählen Nachfrage, Saisonlänge und die lokalen Regeln. Ein Haus im Hinterland vermietet sich oft nur wenige Wochen im Jahr.
Die Regionen auf einen Blick
Die Angaben sind grobe Richtwerte. Innerhalb jeder Region schwanken die Preise stark: Direkt am Meer oder in bekannten Orten zahlst du ein Vielfaches des Hinterlands.
| Region | Anreise aus Deutschland | Preisniveau | Klima |
|---|---|---|---|
| Elsass | sehr kurz, aus Südwestdeutschland oft unter 2 Std. | mittel | kontinental, kalte Winter |
| Normandie | Auto etwa 6–8 Std. aus dem Rheinland | niedrig bis mittel, Küste höher | mild, oft feucht |
| Bretagne | Auto meist 9–12 Std. | niedrig bis mittel, Küste höher | mild, wechselhaft |
| Dordogne | Auto lang, Flug nach Bordeaux | niedrig bis mittel | warme Sommer, milde Winter |
| Atlantikküste/Landes | Flug nach Bordeaux oder Biarritz | mittel, Baskenland hoch | warm, windig |
| Okzitanien/Languedoc | Flug nach Montpellier, Toulouse oder Marseille | niedrig bis mittel | mediterran, heiß im Sommer |
| Provence | Auto oder TGV, Flug nach Marseille | hoch | mediterran, sonnig |
| Côte d'Azur | Flug nach Nizza | sehr hoch | mediterran, milde Winter |
Bretagne und Normandie
Normandie: Die Region liegt Deutschland am nächsten, wenn du ans Meer willst. Die Küste ist geprägt von Steilküsten, Sandstränden und Seebädern wie Deauville oder Étretat. Im Landesinneren findest du Fachwerkhäuser und alte Bauernhöfe zu Preisen, die deutlich unter deutschen Großstadtpreisen liegen. Das Wetter ist ähnlich wie an der Nordsee. Wer Sonne sucht, wird hier nicht glücklich. Wer Ruhe, Grün und kurze Wege sucht, schon.
Bretagne: Weiter weg, aber mit einer der schönsten Küsten Europas. Granitfelsen, kleine Häfen, viele Inseln. Die Preise sind im Landesinneren niedrig, an der Küste und im Golf von Morbihan deutlich höher. Viele Häuser sind aus Stein, alt und brauchen Pflege gegen Feuchtigkeit. Achte bei Landhäusern auf die Abwasseranlage und die Heizung. Die Saison ist kurz, dafür ist der Ansturm geringer als im Süden.
Provence und Côte d'Azur
Provence: Lavendel, Olivenbäume, Bergdörfer im Luberon. Die Provence ist der Klassiker und entsprechend teuer, besonders im Luberon und rund um Aix-en-Provence. Es gibt günstigere Ecken im Var-Hinterland oder in der Haute-Provence. Die Sommer sind heiß und trocken. Prüfe bei Häusern mit viel Grün die Pflicht zur Freihaltung von Bewuchs gegen Waldbrand („débroussaillement“). Sie gilt in vielen Gemeinden des Südens und ist Aufgabe des Eigentümers.
Côte d'Azur: Nizza, Cannes, Antibes, Saint-Tropez. Hier gehört das Preisniveau zum höchsten in Frankreich, auch für kleine Wohnungen. Dafür hast du den größten internationalen Flughafen der Küste, milde Winter und eine Saison fast das ganze Jahr. In vielen Orten ist die Vermietung an Urlauber stark reguliert, und Zweitwohnsitze zahlen oft eine erhöhte Taxe d'habitation.
Okzitanien, Atlantikküste und Dordogne
Okzitanien und Languedoc: Die Mittelmeerküste westlich der Rhône ist deutlich günstiger als Provence und Côte d'Azur. Weinbaugebiete, Lagunen, die Pyrenäen in Reichweite. Die Küstenorte sind teils von großen Ferienanlagen geprägt. Schöne alte Dörfer findest du eher im Hinterland, etwa im Hérault oder im Aude. Die Sommer sind heiß, und in manchen Gemeinden wird das Wasser knapp.
Atlantikküste und Landes: Lange Sandstrände, Kiefernwälder, Surfspots. Zwischen Bordeaux und Biarritz ist die Saison lang und die Nachfrage nach Ferienhäusern hoch. Im Baskenland rund um Biarritz sind die Preise hoch und die Regeln für Zweitwohnsitze streng. In den Landes und weiter nördlich findest du günstigere Angebote. Achte bei Häusern am Meer auf Küstenerosion und auf die Einstufung im Risikogutachten.
Dordogne: Das Périgord ist seit Jahrzehnten bei Briten und Niederländern beliebt. Flusstäler, Burgen, Steinhäuser mit Pool. Das Angebot ist groß und die Preise sind moderat. Die Region ist sehr ländlich: Ohne Auto geht nichts, und außerhalb des Sommers sind viele Restaurants geschlossen. Für Selbstnutzer mit Familie oft eine gute Wahl, für Vermieter eher eine Saison von Juni bis September.
Elsass
Das Elsass ist die Region für Kurzentschlossene. Von Karlsruhe, Freiburg oder Stuttgart aus bist du schnell dort und kannst auch übers Wochenende fahren. Fachwerkdörfer, Weinstraße, die Vogesen zum Wandern und Skifahren. Viele Einheimische sprechen Deutsch oder Elsässisch. Ein Meer gibt es nicht, und die Winter sind kalt. Dafür ist das Haus auch im November und März nutzbar. Wer es vermieten will, kann auf Besucher zu den Weihnachtsmärkten und im Sommer setzen.
Vermietung an Urlauber: die Regeln
Eine möblierte Ferienwohnung heißt in Frankreich „meublé de tourisme“. Seit einem Gesetz vom November 2024, nach seiner Initiatorin oft „loi Le Meur“ genannt, sind die Regeln deutlich strenger geworden:
- Anmeldung: Jede Ferienvermietung musst du anmelden. In vielen Städten und Touristenorten bekommst du dafür eine Registriernummer, die in jeder Anzeige stehen muss. Die Plattformen löschen Inserate ohne gültige Nummer. Ein landesweites Online-Verfahren für die Registrierung ist beschlossen und wird schrittweise eingeführt. Bis dahin läuft die Anmeldung über die Mairie.
- Genehmigung in Großstädten: In Paris, Nizza, Lyon, Bordeaux und vielen anderen Städten brauchst du für die Vermietung einer Zweitwohnung eine Umwidmungsgenehmigung. Manche Städte verlangen dafür eine Ausgleichsfläche, was die Vermietung praktisch unmöglich macht.
- Gemeinden dürfen begrenzen: Kommunen können die Zahl der Ferienwohnungen deckeln oder bestimmte Viertel ausnehmen. Vermietest du deine Hauptwohnung, gilt meist eine Grenze von 120 Tagen im Jahr, die die Gemeinde auf 90 senken kann.
- Energieausweis: Auch für Ferienwohnungen gelten zunehmend Mindestanforderungen an die Energieklasse. Ein schlecht gedämmtes Haus kann für die Vermietung ein Problem werden.
- Steuern: Die Pauschalabzüge für Mieteinnahmen aus Ferienwohnungen wurden gekürzt. Für nicht klassifizierte Unterkünfte ist der Vorteil deutlich kleiner als für klassifizierte. Lass das vor dem Kauf durchrechnen.
Frag vor dem Kauf bei der Mairie nach, welche Regeln vor Ort gelten. Sie können sich von Gemeinde zu Gemeinde stark unterscheiden. Offizielle Informationen findest du auf service-public.fr. Wie der Kauf selbst abläuft, steht im Artikel Haus kaufen in Frankreich.
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Preise, Steuern und Vermietungsregeln ändern sich und unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde. Prüfe sie vor einem Kauf vor Ort.
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