Ratgeber · Auswandern
Auswandern nach Dänemark: CPR-Nummer, Steuern und Alltag
Als EU-Bürger brauchst du für Dänemark kein Visum und keine Arbeitserlaubnis. Trotzdem läuft dort fast nichts ohne eine Nummer: die CPR-Nummer. Mit ihr bekommst du ein Bankkonto, einen Arzt, ein Gehalt und den digitalen Zugang zu allen Behörden. Dieser Artikel zeigt die Schritte in der richtigen Reihenfolge und was dich bei Steuern, Wohnen und Auto erwartet.
Aufenthaltsdokument bei SIRI
Als EU-Bürger darfst du dich bis zu drei Monate ohne Formalitäten in Dänemark aufhalten, als Arbeitssuchender bis zu sechs Monate. Bleibst du länger, brauchst du ein EU-Aufenthaltsdokument („registreringsbevis“). Es ist keine Genehmigung, sondern bestätigt dein Recht auf Freizügigkeit.
Zuständig ist die Behörde für internationale Anwerbung und Integration, kurz SIRI („Styrelsen for International Rekruttering og Integration“). Früher war die Statsforvaltningen dafür zuständig, die es in dieser Form nicht mehr gibt. Den Antrag stellst du online und gehst danach mit Pass und Nachweisen persönlich zu einem Servicezentrum von SIRI oder einem International Citizen Service. Für Deutsche im Süden liegt ein solches Zentrum in Sønderborg.
Welche Nachweise du brauchst, hängt von deinem Status ab:
- Arbeitnehmer: Arbeitsvertrag oder Bestätigung des Arbeitgebers.
- Selbstständige: Nachweis der Tätigkeit, etwa eine dänische Unternehmensnummer (CVR).
- Rentner und andere ohne Arbeit: Nachweis ausreichender Mittel und einer Krankenversicherung.
Die offiziellen Informationen findest du auf nyidanmark.dk und lifeindenmark.borger.dk, beide auch auf Englisch.
CPR-Nummer, MitID und Gesundheitskarte
Mit dem Aufenthaltsdokument und einer festen Adresse meldest du dich beim Bürgerservice („Borgerservice“) deiner Gemeinde an. Dort bekommst du die CPR-Nummer, die persönliche Identifikationsnummer. Gesetzlich sollst du dich innerhalb von fünf Tagen nach dem Umzug melden. Für die Anmeldung brauchst du in der Regel einen Mietvertrag oder Kaufvertrag.
Mit der CPR-Nummer folgen die nächsten Schritte fast automatisch:
- Gelbe Gesundheitskarte („sundhedskort“). Sie kommt nach der Anmeldung per Post, meist innerhalb einiger Wochen. Bei der Anmeldung wählst du einen Hausarzt. Arztbesuche und Krankenhaus sind über Steuern finanziert und für dich kostenlos. Zahnarzt und Medikamente zahlst du zum Teil selbst.
- MitID. Die digitale Identität für Behörden, Bank und Post. Du beantragst sie beim Bürgerservice oder später über deine Bank.
- Digitale Post. Behörden schreiben dir in Dänemark fast nur digital. Mit MitID liest du die Post in der App „Digital Post“ oder auf borger.dk.
- Bankkonto und NemKonto. Jede Person in Dänemark hat ein „NemKonto“, auf das Behörden und Arbeitgeber Geld überweisen. Das ist ein normales Konto, das du als NemKonto anmeldest.
- Steuerkarte. Über skat.dk legst du eine vorläufige Einkommensberechnung („forskudsopgørelse“) an. Ohne sie zieht dein Arbeitgeber einen hohen Pauschalsatz ab.
Steuern: hoch, aber mit Gegenleistung
Dänemark hat eine der höchsten Einkommensteuern Europas. Dafür sind Gesundheit, Bildung und viele soziale Leistungen fast komplett aus Steuern bezahlt. Die Einkommensteuer setzt sich aus mehreren Teilen zusammen:
- Arbeitsmarktbeitrag („AM-bidrag“): 8 Prozent vom Bruttolohn, vor allen anderen Steuern.
- Gemeinde- und Kirchensteuer: je nach Gemeinde etwa 23 bis 26 Prozent. Mitglieder der Volkskirche zahlen zusätzlich etwa 0,5 bis 1,3 Prozent Kirchensteuer.
- Staatliche Steuer: eine Grundsteuer auf das Einkommen und seit 2026 mehrere Stufen für höhere Einkommen.
Dazu gibt es einen persönlichen Freibetrag und Abzüge, etwa für Fahrten zur Arbeit. Bei mittleren Einkommen bleiben dir unterm Strich in der Regel deutlich weniger als in Deutschland, bei hohen Einkommen liegt der Grenzsteuersatz über 50 Prozent. Sozialabgaben wie in Deutschland gibt es dafür kaum.
Für gut bezahlte Fachkräfte, die aus dem Ausland kommen, gibt es eine Sonderregel („forskerskatteordning“). Wer die Gehaltsgrenze erreicht und weitere Bedingungen erfüllt, zahlt für bis zu sieben Jahre einen pauschalen Satz von zusammen etwa 33 Prozent. Prüfe die Voraussetzungen vor Vertragsunterschrift mit deinem Arbeitgeber.
Grenzpendler: in Deutschland wohnen, in Dänemark arbeiten
Viele Deutsche im Grenzgebiet wohnen in Schleswig-Holstein und arbeiten in Dänemark. Für sie gilt in der Regel:
- Der Lohn wird nach dem Doppelbesteuerungsabkommen in Dänemark versteuert. In Deutschland ist er steuerfrei, erhöht aber über den Progressionsvorbehalt den Steuersatz auf andere Einkünfte.
- Sozialversichert bist du nach EU-Recht im Land, in dem du arbeitest, also in Dänemark.
- Du brauchst trotzdem eine dänische Steuernummer. Ein Aufenthaltsdokument brauchst du als Pendler nicht.
Die Kombination ist kompliziert, vor allem bei Rente, Kindergeld und Krankenversicherung der Familie. Beratung bieten die Grenzpendler-Infocenter in der Region, etwa das Regionskontor & Infocenter in Padborg.
Wohnen: Miete, Kauf, Andelsbolig
In Kopenhagen und Aarhus ist Wohnraum knapp und teuer. Auf dem Land und in Jütland sind Häuser oft deutlich günstiger als in vergleichbaren Lagen in Deutschland. Es gibt drei übliche Formen:
- Miete („lejebolig“): privat oder als gemeinnützige Wohnung („almen bolig“) über Wartelisten, die in Städten oft Jahre dauern. Eine Kaution von bis zu drei Monatsmieten plus Mietvorauszahlung ist üblich.
- Andelsbolig: Du kaufst einen Anteil an einer Wohnungsgenossenschaft und damit das Recht, eine Wohnung zu nutzen. Die Preise sind gesetzlich begrenzt und liegen meist unter dem freien Markt. Gute Andelsboliger werden oft über interne Wartelisten vergeben.
- Kauf („ejerbolig“): Als EU-Bürger mit Wohnsitz oder Arbeit in Dänemark darfst du in der Regel ein Haus oder eine Wohnung als Hauptwohnsitz kaufen. Ein Ferienhaus ist dagegen fast immer ausgeschlossen. Details stehen im Artikel Immobilie kaufen in Dänemark als Deutscher.
Auto: Die Registrierungssteuer
Wer seinen Wohnsitz nach Dänemark verlegt, darf ein in Deutschland zugelassenes Auto in der Regel nicht dauerhaft weiterfahren. Es muss dänisch zugelassen werden, und dabei fällt die Registrierungssteuer („registreringsafgift“) an. Sie richtet sich nach dem Wert des Autos und ist gestaffelt:
- Für Verbrenner gelten 2026 Sätze von 25, 85 und 150 Prozent auf die jeweiligen Wertstufen, abzüglich einiger Freibeträge.
- Für gebrauchte Autos wird der Wert eines vergleichbaren Wagens auf dem dänischen Markt angesetzt.
- Elektroautos zahlen deutlich weniger, die Steuer wird aber schrittweise angehoben.
Bei teuren oder neueren Autos kommen so schnell fünfstellige Beträge zusammen. Oft ist es günstiger, das Auto in Deutschland zu verkaufen und in Dänemark eines zu kaufen. Die Berechnung und Ausnahmen, etwa für Grenzpendler, erklärt die dänische Kfz-Behörde Motorstyrelsen.
Sprache und Alltag
Fast alle Dänen sprechen gut Englisch, in Grenznähe auch oft Deutsch. Für Arbeit, Behörden und Nachbarschaft lohnt sich Dänisch trotzdem. Gemeinden bieten Neuzugezogenen Dänischkurse an, oft kostenlos oder mit geringer Eigenbeteiligung. Die Aussprache gilt als schwierig, das Lesen fällt Deutschen meist leichter.
Bezahlt wird fast überall per Karte oder mit der App MobilePay. Die Lebenshaltungskosten liegen über dem deutschen Niveau, besonders bei Lebensmitteln, Restaurants und Alkohol. Kinderbetreuung ist flächendeckend verfügbar und kostet einen einkommensabhängigen Elternbeitrag. Arbeitszeiten sind familienfreundlich, viele gehen am Nachmittag nach Hause.
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Regeln, Steuersätze und Zuständigkeiten ändern sich. Prüfe die Details vor dem Umzug bei den dänischen Behörden oder einem Steuerberater mit Erfahrung im deutsch-dänischen Recht.
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