Ratgeber · Auswandern

Auswandern nach Italien: Anmeldung, Steuern und Krankenversicherung

Stand: November 2026 · ca. 8 Minuten Lesezeit

Als EU-Bürger brauchst du für Italien kein Visum und keine Arbeitserlaubnis. Du darfst einreisen, wohnen, arbeiten und eine Immobilie kaufen. Zu erledigen bleibt trotzdem einiges: die Anmeldung bei der Gemeinde, die Frage, wo du Steuern zahlst, und eine Krankenversicherung, die in Italien anerkannt wird. Für Rentner gibt es im Süden zudem eine besondere Pauschalsteuer.

Anmeldung: codice fiscale und Residenza

Den ersten Schritt kennst du vielleicht schon vom Hauskauf: Ohne codice fiscale, die Steuernummer, geht in Italien nichts. Du bekommst ihn beim italienischen Konsulat in Deutschland oder bei der Agenzia delle Entrate in Italien.

Bleibst du länger als drei Monate, meldest du deinen Wohnsitz bei der Gemeinde an, im Einwohnermeldeamt („ufficio anagrafe“). Das heißt „iscrizione anagrafica“ oder kurz Residenza. Die Gemeinde prüft danach, ob du wirklich an der Adresse wohnst, meist durch einen Besuch der Ortspolizei. Für die Anmeldung musst du nachweisen, wovon du lebst:

Mit der Residenza bekommst du den italienischen Personalausweis („carta d'identità“) und kannst dich beim Gesundheitsdienst anmelden. In Deutschland meldest du dich beim Einwohnermeldeamt ab. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass du dort nicht mehr unbeschränkt steuerpflichtig bist, reicht allein aber nicht.

Steuerresidenz und Einkommensteuer

In Italien bist du steuerlich ansässig, wenn du im Jahr mehr als 183 Tage im Einwohnerregister gemeldet bist, dich mehr als 183 Tage im Land aufhältst oder dein Lebensmittelpunkt in Italien liegt. Dann zahlst du Einkommensteuer („IRPEF“) auf dein weltweites Einkommen. Der Tarif ist progressiv von 23 bis 43 Prozent, dazu kommen Zuschläge der Region und der Gemeinde. Die Erklärung gibst du im Jahr nach dem Einkommen ab, viele Zugezogene über einen Steuerberater („commercialista“) oder eine Beratungsstelle („CAF“).

Eine Pflicht übersehen viele: Als Resident meldest du im Formular „RW“ dein Vermögen im Ausland, also Konten, Depots und Immobilien in Deutschland. Darauf fallen zwei italienische Steuern an:

Behältst du eine Wohnung in Deutschland, kann Deutschland dich weiter als unbeschränkt steuerpflichtig ansehen. Welches Land Vorrang hat, regelt dann das Doppelbesteuerungsabkommen. Hältst du Anteile an einer Kapitalgesellschaft von mindestens 1 Prozent, kann der Wegzug in Deutschland Steuern auslösen. Lass das vorher prüfen.

Deutsche Rente und die 7-Prozent-Steuer im Süden

Die Rentenversicherung zahlt deine Rente auch nach Italien. Teile ihr deine neue Adresse mit, und schick jährlich die Lebensbescheinigung zurück, die sie dir zusendet. Steuerlich gilt grob nach dem Abkommen zwischen Deutschland und Italien: Die gesetzliche Rente und Betriebsrenten besteuert in der Regel Italien als Wohnsitzland, Beamtenpensionen grundsätzlich Deutschland. Für Rentner im Ausland ist in Deutschland das Finanzamt Neubrandenburg zuständig.

Für Rentner gibt es eine besondere Regelung: Wer eine ausländische Rente bezieht und seinen Wohnsitz in eine kleine Gemeinde in Süditalien verlegt, kann alle ausländischen Einkünfte pauschal mit 7 Prozent versteuern lassen.

Die 7-Prozent-Steuer im Überblick

  • Regionen: Sizilien, Sardinien, Kalabrien, Kampanien, Basilikata, Apulien, Molise und Abruzzen, außerdem einige Gemeinden in den Erdbebengebieten Mittelitaliens.
  • Gemeindegröße: höchstens 30.000 Einwohner. Bis Anfang 2026 lag die Grenze bei 20.000. Viele Ratgeber im Netz nennen noch die alte Zahl.
  • Voraussetzungen: Du beziehst eine Rente aus dem Ausland und warst in den fünf Jahren davor nicht in Italien steuerlich ansässig.
  • Dauer: für das Jahr des Zuzugs und die neun folgenden Jahre. Ziehst du in eine Gemeinde, die nicht dazugehört, entfällt sie.
  • Vorteil: Die Meldepflicht für Auslandsvermögen und die Steuern IVIE und IVAFE entfallen in dieser Zeit.

Die Regel lohnt sich vor allem bei höheren Renten und Kapitalerträgen. Ob deine deutsche Rente nach dem Abkommen überhaupt in Italien besteuert wird und wie die Übergangsregeln für die neue Gemeindegrenze aussehen, lässt du am besten von einem italienischen Steuerberater prüfen.

Krankenversicherung

Das öffentliche Gesundheitssystem heißt „Servizio Sanitario Nazionale“ (SSN), organisiert über die regionalen Gesundheitsbehörden („ASL“). Wie du hineinkommst, hängt davon ab, ob du arbeitest oder Rente beziehst:

Auch im SSN zahlst du für viele Leistungen eine Zuzahlung („ticket“), etwa für Fachärzte und Untersuchungen. Die Wartezeiten sind je nach Region sehr unterschiedlich. Auskünfte zum S1-Verfahren gibt die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland.

Auto und Führerschein

Dein deutscher Führerschein gilt in Italien weiter. Ist er abgelaufen, erneuerst du ihn nach italienischen Regeln, inklusive ärztlicher Untersuchung.

Bei deutschen Kennzeichen ist Italien streng: Wer seit mehr als 60 Tagen in Italien gemeldet ist, darf ein im Ausland zugelassenes Auto grundsätzlich nicht mehr fahren. Es gibt Ausnahmen, etwa für Firmen- und Leasingwagen mit passenden Papieren. Plane die Ummeldung deines Autos deshalb gleich mit ein. Dazu gehören eine technische Prüfung und die Zulassung beim Straßenverkehrsamt („Motorizzazione“). Viele lassen das über eine Agentur erledigen.

Sprache und Alltag

In Südtirol kommst du mit Deutsch durch den Alltag. Am Gardasee und in Urlaubsorten oft auch. Im Rest des Landes brauchst du Italienisch, bei Behörden, beim Arzt und mit Handwerkern. Fang am besten vor dem Umzug an.

Rechne mit Bürokratie: Termine, Formulare und Stempel kosten Zeit. Ein Steuerberater vor Ort und ein Patronato oder CAF für Anträge sind für viele Zugezogene Gold wert. Wenn du vor dem Umzug ein Haus kaufen willst, lies auch Haus kaufen in Italien.

Reihenfolge, die sich bewährt hat: codice fiscale beantragen, Wohnung kaufen oder mieten, Residenza bei der Gemeinde anmelden, Krankenversicherung (S1 oder privat) klären und bei der ASL anmelden, in Deutschland abmelden, Auto innerhalb von 60 Tagen ummelden.

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Regeln, Gebühren und Steuersätze ändern sich. Prüfe sie vor dem Umzug mit einem Steuerberater oder Anwalt in Deutschland und Italien.

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